Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Sehr geehrte Frau Professor Schwan,

wenn Sie zur Bundespräsidentin gewählt werden, dann werden Sie automatisch eine Vielzahl von Ehrenämtern übernehmen. Hier möchten wir nur eines dieser Ämter ansprechen. Und zwar geht es um den „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“.

Dieser Wettbewerb, der Jugendliche zu historischer Forschung aufruft, wird seit 1973 gemeinsam von dem Bundespräsidenten und der Körber-Stiftung ausgeschrieben. Gegen den Geschichtswettbewerb haben wir nichts einzuwenden. Doch kritisieren wir, dass die Körber-Stiftung daran beteiligt ist. Denn diese Stiftung ist mit verantwortlich, dass 140.000 Menschen in Deutschland jährlich an den Folgen des Rauchens sterben.

Die Körber-Stiftung betreibt die Maschinenbaufirma Hauni, die Teil der Tabakwirtschaft ist. Hauni ist der weltweit führende Hersteller von Maschinen für die Tabakindustrie. Der Umsatz von Hauni macht etwa 40 Prozent des Umsatzes der Körber Firma aus, die sich vollständig in dem Besitz der Körber-Stiftung befindet. In unseren Augen versucht die Stiftung durch ihre wohltätigen Projekte den Ruf der Tabakwirtschaft rein zu waschen.

Die Beteiligung von hochrangigen Politikern an sozialen Projekten hat bei der Tabakwirtschaft System. So verstärkt auch die Körber-Stiftung ihr Image einzelner Projekte durch Repräsentanten von Staat, Parlament und Regierung (Bundestagspräsiden Norbert Lammert als Schirmherr und Annette Schavan als Mitglied de Kuratoriums des Deutschen Studienpreises).

Wir kritisieren auch den Mangel an Transparenz. Denn die Jugendlichen, die sich an dem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten beteiligen, erfahren nicht, dass die Körber-Stiftung zu einem großen Teil ihre Gelder durch den Verkauf von Maschinen zur Herstellung von Zigaretten erhält. Sie wissen nicht, dass die Körber-Stiftung Mitverantwortung an Krankheit und Tod in Folge des Rauchens trägt.

Möglicherweise war dem Bundespräsidenten Heinemann 1973 nicht bewusst, auf was er sich bei dem Bündnis mit Körber eingelassen hatte. Inzwischen jedoch hat sich das gesellschaftliche Bewusstsein vollständig verändert. Ausdruck dieses neuen Bewusstseins ist die Konferenz der Weltgesundheitskonferenz, die kürzlich im südafrikanischen Durban getagt hat. Dort wurde das soziale Engagement (Corporate Social Responsibility) der Tabakindustrie sehr deutlich verurteilt. Dieser Verurteilung pflichteten dort auch die Vertreter der Bundesregierung bei. Sie trugen die Empfehlungen mit, soziales Engagement der Tabakwirtschaft zu ächten. Damit wurde der Unterstützung von Corporate Social Responsibility der Tabakwirtschaft eine deutliche Absage erteilt.

Wir möchten Sie bitten, wenn Sie zur Bundespräsidentin gewählt werden, einer Beteiligung der Körber-Stiftung an dem „Geschichtswettbewerb der Bundespräsidentin“ ebenso eine Absage zu erteilen.

Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns noch vor der Wahl der Bundspräsidentin antworten würden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Johannes Spatz                                                                       Dr. Henry Stahl