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Johannes Spatz, ( (030) 7475-5922, Fax: -5925
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Dr. Jörn Reimann,    ( (030) 72 119 08
Dr. Henry Stahl       
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Presseerklärung


Berlin, 12.06.08

Tabakkonzerne verstoßen massiv gegen den Jugendschutz

In dieser Woche werben Philip Morris und British American Tobacco in ganz Berlin auf zahlreichen Plakaten mit Modellen, die jünger aussehen als 30 Jahre. Obwohl sich die Tabakindustrie ausdrücklich verpflichtet hat, dies zu unterlassen, hält sie sich nicht an ihre eigenen Selbstverpflichtungserklärungen. Die aktuell gezeigten Plakate sind ihrer Art nach besonders geeignet, Jugendliche und Heranwachsende zum Rauchen zu veranlassen, da sich junge Menschen mit jung wirkenden Modellen identifizieren und ihr Verhalten kopieren. Johannes Spatz, Sprecher des Forum Rauchfrei, hält das Zeigen dieser Werbeplakate in einer Zeit, in der sowohl vom Deutschen Zigarettenverband als auch von Philip Morris ständig betont wird, den Konzernen ginge es um Jugendschutz, für eine unverschämte Provokation.

Johannes Spatz hat am 11. Juni und am 12. Juni 2008 in einem Berliner Gymnasium 14- bis 16jährige Schülerinnen und Schüler befragt, wie sie das Alter der auf drei Plakaten abgebildeten Modelle einschätzen. Die Mehrheit der Befragten meinte, dass fünf der insgesamt sechs gezeigten Modelle jünger als 30 Jahre alt seien. Besonders drastisch fiel das Urteil bei der Marlboro-Werbung (Philip Morris) mit einem jungen Mann aus, der auf den Vordersitzen eines Autos liegt. 85 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler hielten ihn für jünger als 30. Über das Alter einer Frau, die auf dem Hintersitz eines Autos bei einer Marlboro-Werbung gezeigt wird, waren sich sogar 96 Prozent aller befragten Jugendliche einig: Sie hielten diese Frau für jünger als 30 Jahre. Die zwei Männer auf dem gleichen Plakat, die vorne im Auto sitzen, wurden von 50 % bzw. 32 % der Befragten jünger als 30 eingeschätzt. Auf einem dritten Plakat, das den Schülerinnen und Schülern von dem Forum Rauchfrei gezeigt wurde, wird für die Marke Prince (British American Tobacco) mit zwei auf einem Dach ruhenden jung wirkenden Männern geworben. Auch diese beiden Modelle wurden von der Mehrheit der Jugendlichen jünger als 30 eingestuft (53 % bzw. 61 %). An der Befragung haben sich 98 Jugendliche beteiligt, so dass ein deutlicher Trend sichtbar wird.

Ausdrücklich heißt es in der Selbstverpflichtung zu „Jugendbezogene Werbung“: „Unzulässig ist die Darstellung von Personen, die jünger als 30 Jahre (Nachweis Lebensalter) sind oder die von den maßgeblichen Verkehrskreisen, nämlich Jugendlichen und Heranwachsenden (Altersgruppe von 14 bis 21 Jahren), für jünger als 30 Jahre gehalten werden“.

Seit nahezu zehn Jahren untersucht Johannes Spatz die Einhaltung der Selbstverpflichtung der Tabakindustrie. Dabei stellte er in unzähligen Fällen Verstöße fest. In mehr als fünfzig Fällen ist der Bundesverband der Verbraucherzentralen gegen von ihm angezeigte Verstöße vorgegangen. In den meisten Fällen mussten die Tabakkonzerne daraufhin Unterlassungserklärungen abgeben. Dies hinderte sie jedoch nicht, die nächsten Anzeigen-Kampagnen mit wieder unzulässigen Werbebotschaften zu veröffentlichen. Diese traurige Bilanz bedeutet, dass die Selbstverpflichtung der Tabakindustrie nicht das Papier wert ist, auf dem sie gedruckt ist. So lange kein eindeutiges und umfassendes Tabakwerbeverbot von dem Gesetzgeber erlassen wird, werden sich solche Verstöße ständig wiederholen.

Dr. Henry Stahl, Sprecher des Forum Rauchfrei, hebt hervor, dass der Kontrast zwischen den Erklärungen der Tabakindustrie zum Jugendschutz und der Realität des Alltags kaum größer sein kann. Während die bundesweit größten Tabakfirmen sich als Gralshüter des Jugendschutzes aufspielten, würden sie auf den Straßen Kinder und Jugendliche mit jugendgefährdenden Großplakaten für das Rauchen anwerben. „Niemand will, dass Kinder und Jugendliche rauchen.“ behauptet Philip Morris auf seiner Internetseite. „Wenn es um Werbung geht, sind wir strenger als der Staat.“ sagt BAT in einer Anzeige im Vorwärts, Mai 2008.

Johannes Spatz hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, gebeten, unverzüglich einzuschreiten.

 

Anlagen:

 

1.    Foto mit jungem Mann, der auf den Vordersitzen eines Autos liegt (Marlboro). Das Foto wurde von mir am 09.06.08 auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Frankfurter Allee gemacht.

2.    Foto mit zwei Männern und einer jungen Frau in einem Auto (Marlboro). Das Foto wurde von mir am 09.06.08 in der Dudenstraße (Höhe Hausnummer 87) gemacht.

3.    Foto mit zwei jungen Männern, die auf einem Dach ruhen (Prince). Das Foto wurde von mir am 09.06.08 in der Naumannstraße, Ecke Torgauer Straße gemacht.

 

Weitere Informationen bei: Johannes Spatz Tel.: (030) 747 559 25 oder 0176 2441 9964