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Presseerklärung


Berlin, 11.10.07

Deutschland: Schlusslicht der Tabakkontrolle

Heute wurde auf der 4. Europäischen Konferenz über Tabak oder Gesundheit in Basel die Studie „Fortschritt der Tabakkontrolle in 30 europäischen Staaten“ von Luk Joossens aus Belgien vorgestellt. Die Studie verweist Deutschland auf den 27. Platz. Nur noch Griechenland, Luxemburg und ganz am Schluss Österreich übertreffen Deutschland darin, die wenigsten Fortschritte bei der Umsetzung der Tabakkontrolle erzielt zu haben. Das Tabakranking wird von Grossbritannien mit 93 von insgesamt 100 möglichen Punkten angeführt, gefolgt von Irland und Island. Insbesondere diese Länder schützen ihre Bevölkerung ohne Ausnahme vor Passivrauch, sie haben ein absolutes Tabakwerbeverbot eingeführt und die Tabakpreise stark angehoben. Bei hohen Zigarettenpreisen wurden bis zu 30 Punkte, bei Rauchverboten ohne Ausnahmen 22, bei Medienkampagnen 15, bei Werbeverboten 13, bei Rauchentwöhnungsmassnahmen 10 und bei der Beschriftung der Packungen mit Warnhinweisen bis zu 10 Punkte vergeben.

Johannes Spatz, Sprecher des Forum Rauchfrei, der an der Konferenz in Basel teilnimmt, kritisiert Deutschland als Nachzügler der Tabakkontrolle. Die Fortschritte der Tabakkontrolle konnten in Deutschland nur mit 37 Punkten bewertet werden. Spatz fordert deshalb besonders dringend ein absolutes Tabakwerbeverbot und höhere Preise sowie die Streichung der zahlreichen Ausnahmeregelungen, durch die der Schutz vor Passivrauch in Deutschland aufgeweicht wird.

Auf der Konferenz, an der über 500 Gäste teilnehmen, wurde von dem Konferenzsprecher Thomas Cerney von der Schweizer Krebsliga beklagt, dass in der Schweiz „Zigaretten einfacher erhältlich als Grundnahrungsmittel“ sind. Auch wirft er der Schweizer Regierung vor, erst die „Touristen mit frischer Alpenluft in das Land zu locken und dann in verrauchte Hotels und Restaurants zu schicken“.  Die Schweiz befindet sich in dem Ranking an 18. Stelle.

Thea Emmling, die an der Konferenz als Vertreterin des zuständigen EU-Kommissars Markus Kyprianou teilnimmt, gab als aktuelle Perspektiven der Arbeit der EU auf dem Gebiet der Tabakkontrolle an: Erhöhung der Tabaksteuer, Werbeverbote, Einführung von Pictogrammen und Kampf gegen illegalen Tabakhandel.

Douglas Bettcher, Direktor der Rauchfrei-Initiative der Weltgesundheitsorganisation, umriss das Tabakproblem mit folgenden Zahlen: Jährlich sterben 5,4 Millionen Menschen weltweit an den Folgen des Rauchens. Im Jahr 2030 werden es weltweit jährlich 8,3 Menschen sein. In diesem Jahrhundert werden insgesamt 1 Milliarde Menschen an den Folgen des Rauchens sterben. In Europa starben daran 1,6 Millionen im Jahr 2002.

Die Konferenz über Tabak und Gesundheit, die heute begonnen hat, wird bis Samstag fortgesetzt.

Weitere Informationen bei: Johannes Spatz Tel.: (030) 747 559 25 oder 0176 2441