www.forum-rauchfrei.de
post@forum-rauchfrei.de

Sprecher(in) und Anschrift

Johannes Spatz, ( (030) 6321-4703, Fax: -1220
c/o BA Steglitz-Zehlendorf, Gesundheit 21
Bergstr. 90
12169 Berlin

Giselly Leinenbach, ( (030) 897 49007
Dr. Jörn Reimann,   
( (030) 256 33829
Wolfgang Nitze,      
( (030) 747 55974

 

Presseerklärung


Berlin, 06.02.06 

Kirche paktiert mit dem Teufel

Der „Verband der Cigarettenindustrie“ (VdC) hat Bischof Wolfgang Huber, EKD-Ratsvorsitzender und Karl Jüsten, Leiter des Berliner Kommissariats der deutschen Bischöfe, für den 8. März 2006 zu einem „Spree-Gespräch“ als Ehrengäste benannt. Die Einladung, die als einzige Personen die beiden Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche aufführt, nennt „Freiräume“ als Motto der Veranstaltung. Es soll über „gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Prozesse“ gesprochen werden und auch über „Freiräume in der Ökumene“.  

Johannes Spatz, Sprecher des Forum Rauchfrei kritisiert den „kirchlichen Pakt mit dem Teufel“. Denn während die Kirche sich für das Leben einsetzt, ist die Tabakindustrie an dem Tod von 140.000 Menschen jährlich in Folge des Tabakkonsums beteiligt. Das Forum Rauchfrei hat in einem Brief vom 5. Februar die Kirchenvertreter dringend aufgefordert, die Einladung abzusagen. 

Spatz hatte bereits in einem Schreiben vom 13. September 2005 Huber davor gewarnt, „dass die Tabakindustrie versucht, ein gesellschaftlich anerkanntes Image aufzubauen und den „Kontrollverlust über die öffentliche Diskussion zum Thema Rauchen und Tabak“ einzudämmen (Worte von British American Tobacco Germany, BAT)“. Damals ging es um eine gemeinsame Veranstaltung der Evangelischen Akademie und der Körber-Stiftung, die einen großen Teil ihrer Gelder aus der Produktion von Maschinen zur Herstellung von Zigaretten erhält. 

Die Tabakkonzerne sprechen in diesem Zusammenhang vom „Dritten Weg“ und meinen damit, sie haben „in zäher Kleinarbeit ein Beziehungsgeflecht zu allen Teilen der Gesellschaft aufgebaut und das Marktklima hier zu Lande entspannt“ (Anzeige von BAT, Vorwärts 12/2000, S. 17). Dazu führen sie Veranstaltungen wie diese durch, in denen sie Repräsentanten einzelner gesellschaftlicher Gruppierungen auf ihre Seite ziehen wollen.

In diesem Zusammenhang kann das Forum Rauchfrei nicht verstehen, wie es zu der Anzeige von Brot für die Welt, einer Entwicklungshilfeorganisation der evangelischen Kirche, in der Tabakzeitung vom 3. Februar kommen konnte. Die Kirche sieht offenbar Gemeinsamkeiten mit der Tabakindustrie, wenn es dort heißt: „Gemeinsam können wir dazu beitragen (diese ersten Worte sind fett ausgedruckt), dass Menschen nicht aufgrund ihrer Armut, Benachteiligung oder Behinderung an einem vollwertigen selbstverantwortlichen Leben gehindert werden.“  Dies klingt zynisch vor dem Hintergrund der Prognose der Weltgesundheitsorganisation, die für die nächsten Jahrzehnte 10 Millionen Todesopfer vorwiegend in der „Dritten Welt“ in Folge der Ausbreitung des Zigarettenmarktes voraussagt.

Weitere Informationen bei: Johannes Spatz; Tel.: (030) 90299 oder 0176 2441 9964