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Sprecher(in) und Anschrift Johannes Spatz,
( (030)
7475-5922, Fax: -5925 Dr. Jörn Reimann, (
(030) 72 119 08 |
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Auftragsforschung der Tabakindustrie in Höhe von 937.000 EURO am Deutschen
Herzzentrum Berlin |
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Die Beantwortung einer Kleinen Anfrage im Abgeordnetenhaus offenbart, dass Professor Eckart Fleck – Leiter des Klinikums für Innere Medizin des Deutschen Herzzentrums Berlin - jahrelang für die Tabakindustrie geforscht hat. Für die Aufklärung der Mechanismen, wie Schäden am Herzkreislaufsystem entstehen, hat ihm der Zigarettenkonzern Philip Morris insgesamt 937.000 EURO in den Jahren 2003 bis 2005 gezahlt. Diese Summe ist höher als jede andere jemals bisher bekannt gewordene Zahlung der Tabakindustrie für ein einzelnes Forschungsprojekt im Medizinbereich. Teilweise lassen sich die in der Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung wiedergegebenen Äußerungen des Herzzentrums überprüfen. Denn es liegen eine Protokollnotiz eines Firmenvertreters von Philip Morris über das „Anbahnungsgespräch“ für diese Zusammenarbeit mit Eckart Fleck sowie ein Brief des Konzerns an Fleck, in dem auf dieses Gespräch eingegangen wird, vor. Beide Dokumente stehen im Internet frei zur Verfügung, da im Zuge von Prozessen die US-Regierung die Tabakkonzerne verpflichtete, die bisher internen Unterlagen zu veröffentlichen. In der Antwort auf die Kleine Anfrage wird behauptet, es gäbe „eine Ausschreibung für ein geregeltes Antragsverfahren und einen Auswahlprozess durch unabhängige Wissenschaftler“. Zumindest in dem Forschungsprojekt von Herrn Fleck war dies offensichtlich nicht der Fall. Im Vorfeld der Vergabe der Forschungsgelder fand am 13. Dezember 2000 ein Gespräch statt, in dem ein Angestellter des Instituts für biologische Forschung GmbH (INBIFO) von Philip Morris, der gerade nicht als unabhängiger Wissenschaftler bezeichnet werden kann, Professor Fleck aufsuchte, um ihn für Forschungsvorhaben anzuwerben. Mit dem Datum vom 22. Dezember 2000 wurde ein Brief von eben diesem Mitarbeiter an Fleck geschrieben. In diesem Brief wurde der Professor nach Köln in das Institut eingeladen, um „gemeinsame Interessensgebiete“ zu identifizieren und „die Art einer möglichen Zusammenarbeit in einem größeren Kreis“ zu besprechen. Diese Regularien entsprechen nicht „den international üblichen Regeln“, wie in der Antwort behauptet wird. Nach Auskunft des Herzzentrums sieht Prof. Fleck heute „durch seine Arbeit keinen positiven Effekt in Bezug auf das öffentliche Ansehen der Zigarettenindustrie“ Auch sei ihm „ein „fairer Interessenausgleich“ in diesem Zusammenhang nicht bekannt“. In dem Gespräch am 13. Dezember 2000, das laut Tabakkonzern in „freundlicher und kooperativer Atmosphäre“ stattfand, legte Fleck dagegen gerade Wert auf diesen Ausgleich. Die Gesprächsnotiz hält dies ausdrücklich fest: „Ziel müsse ein fairer Interessenausgleich sein.“ Fleck sehe, so das Memo, in der Unterstützung eines „substantielles Programms“ auch „am ehesten einen möglichen positiven Effekt in Bezug auf das öffentliche Ansehen der Zigarettenindustrie“. Daraus ergibt sich, dass Fleck klar war, dass es um das wissenschaftliche Ansehen von Philip Morris ging, das durch eine Reihe von Publikationen in renommierten Wissenschaftsjournalen erreicht werden kann. Deshalb kann es für die Bewertung dieser Forschungsvorhaben nicht darauf ankommen, ob Inhalte des Projekts einen Bezug zu Folgen des Tabakkonsums herstellen lassen. Die Zahlung der 937.000 Euro durch die Philip Morris Foundation erfolgte, um das Ansehen von Philip Morris zu stärken. Dass diese Forschung für die Tabakindustrie „möglicherweise aus unterschiedlichen Gründen“ (als für die Kardiologie) interessant sei, wurde laut der Gesprächsnotiz ausdrücklich besprochen. So erklärt sich auch, dass Fleck, der kein ausgewiesener Experte in dem Forschungsbereich war, beauftragt wurde. Laut dem Memo hatte er – so wird er von dem Konzern-Memo wiedergegeben „keine hinreichend detaillierte Kenntnis der Literatur von Raucheffekten auf kardiovaskuläre Systeme“. Festgehalten wurde auch, dass Fleck „um Zusendung der entsprechenden Arbeiten oder auch nur einer Referenzliste“ bat. Offensichtlich reichte Philip Morris allein die internationale Reputation des Deutschen Herzzentrums Berlin aus, um den Professor unter Vertrag zu nehmen. Aus den Veröffentlichungen von Eckart Fleck geht hervor, dass die Unterstützung für die Arbeit, die in unterschiedlichen Zeitschriften veröffentlicht wurde, von verschiedenen Organisationen von Philip Morris kamen: Philip Morris USA Incorporated, Philip Morris Research Foundation, Philip Morris Inc, Virginia. Es wäre interessant, ob ähnliche Rahmenbedingungen auch an anderen Forschungszentren der Bundesrepublik zu finden sind, mit denen Philip Morris zusammenarbeitet. In einem im Internet zu findenden und als vertraulich eingestuften Bericht über Forschungsprojekte von Philip Morris aus dem Jahr 2004 werden folgende Einrichtungen genannt: Berlin: Bielefeld: Dortmund: Dresden: Frankfurt a. Main: Giessen: Halle- Wittenberg: Hamburg: Mainz: München: Ludwig-Maximilian-Universität, Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Prof. Dr. Elmar Richter, Prof. Dr. Huber J. Stein Potsdam-Rehbrücke: Wuppertal: Es ist dringend zu fordern, dass sowohl die Charité als auch das Deutsche Herzforschungszentrum Berlin einen Kodex unterschreiben, in dem erklärt wird, keine Gelder von der Tabakindustrie anzunehmen. Sie könnten sich zum Beispiel deshalb an das Forum Rauchfrei wenden, das einen Kodex dazu bereithält. Dieser Kodex wurde bereits beispielsweise von dem Berliner Ärztekammerpräsidenten Jonitz unterzeichnet. Die Berliner Senatsverwaltung und auch die Bundesregierung sollten den Organisationen bzw. Einrichtung eine Unterstützung verweigern, wenn sie Geld von der Tabakindustrie annehmen. Schon gar nicht sollten sie Forschungsvorhaben unterstützen, die gleichzeitig auch von der Tabakindustrie gesponsert bzw. in Auftrag gegen werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird in einer Publikation aus dem Jahr 2005 gleichzeitig mit Philip Morris als Unterstützer für Eckart Fleck genannt. Auch scheint es geboten, dass die Bundesdrogenbeauftragte eine bundesweite Erhebung über Forschungsaufträge der Tabakindustrie und den entsprechenden Rahmenbedingungen in Auftrag gibt. Johannes Spatz, Forum Rauchfrei,
017624419964 Pressespiegel zur Thematik: |
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