Philip Morris und die Heinrich Böll Stiftung

am 29. September 2017

Mit einem neuen Projekt namens „The Power of the Arts“ versucht der Zigarettenhersteller Philip Morris im Augenblick, sich in der Kulturszene beliebt zu machen. Immerhin vier Mal 50.000 Euro vergibt der Tabakriese an Kulturprojekte, welche die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund oder geflüchteten Menschen fördern sollen. Wie so oft bedient sich die Tabakindustrie auch bei diesem Projekt namhafter Personen, um vertrauenswürdig zu erscheinen.

In der Jury sitzt neben Dr. Hans-Jörg Clement, dem Leiter Kultur der Konrad-Adenauer Stiftung, und Chris Dercon,  dem Intendanten der Berliner Volksbühne, auch Ralf Fücks, Mitglied der Grünen und ehemaliger Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Wobei die Firma auf der Internetseite des Projektes noch am 18. September behauptete, Fücks sei im Vorstand der Stiftung, dass also das Projekt quasi von der Heinrich- Böll-Stiftung gutgeheißen würde.

Dass Fücks mittlerweile nur noch als „Autor“ bezeichnet wird, ist wohl dem Offenen Brief zu verdanken, in dem das Forum Rauchfrei die Heinrich-Böll-Stiftung gebeten hatte, Philip Morris aufzufordern, die Nennung der Stiftung zu unterlassen.

Es ist zutiefst zu bedauern, dass angesehene Politiker oder Kulturschaffende sich immer wieder vor den Karren einer Industrie spannen lassen, an deren Produkten nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr sechs Millionen Menschen sterben.

Das Projekt „The Power of the Arts“ ist ein typisches Beispiel für die Aktivität eines Unternehmens im Rahmen der sogenannten sozialen Unternehmensverantwortung. Diese bildet eindeutig den Versuch, durch die Förderung von gemeinnützigen Vereinen oder kulturellen bzw. sozialen Initiativen, das Image der Firma aufzuwerten und von den verheerenden Folgen des Konsums der Produkte abzulenken. Wir fordern die Mitglieder der Jury des Philip Morris-Projektes „The Power of the Arts“ hiermit auf, ihre Tätigkeit als Juroren unverzüglich niederzulegen und sich von dem Projekt zu distanzieren.

20170918_screenshot_the_power_of_the_ arts_18_09_2017

eichingerPhilip Morris und die Heinrich Böll Stiftung