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Sprecher(in) und Anschrift Johannes Spatz,
( (030)
7475-5922, Fax: -5925 Dr. Jörn Reimann, (
(030) 72 119 08 |
07.07.08
Herrn
Wolfgang Schmitz
- Pressesprecher -
Zollkriminalamt
51030 Köln
- Offener Brief per E-Mail -
Eine miese Nummer - Vereinnahmung des Zollkriminalamtes durch die Tabakbranche
Sehr geehrter Herr Schmitz,
die gerade ausgelaufene Plakataktion "SCHWARZRAUCHEN - EINE MIESE NUMMER" war selbst eine äußerst miese Nummer. Ihre Behörde hat sich damit zum Büttel der Tabakbranche gemacht und bewusst von dem eigentlichen volkswirtschaftlichen Schaden durch den Tabakkonsum abgelenkt.
Die Plakate provozierten durch die alleine nicht aussagefähigen großen Zifferdarstellungen werbewirksam zum näheren Hinsehen. Durch die gut lesbare Angabe der Hotline des Zollfahndungsamtes wurde diese Behörde automatisch als Urheber der Plakataktion identifiziert. Die wahren Urheber, Philip Morris GmbH und Bundesverband des Tabakwareneinzelhandels e. V. (BTWE), waren zumindest bei den überwiegend in Berlin hängenden hinterleuchteten Plakaten allenfalls bei einer Betrachtung im Sinne eines Fehlersuchbildes zu finden. Der Tabakbranche ist es damit gelungen, Imagewerbung im Namen einer Bundesbehörde zu betreiben. Bei einer vorausgegangenen vergleichbaren Werbeaktion im vergangenen Dezember trat Philip Morris dagegen noch offen erkennbar als Urheber auf.
Die Aufforderung die Hände von unversteuerten Zigaretten zu lassen, impliziert zu versteuerten zu greifen und nicht etwa das Rauchen zu reduzieren bzw. ganz zu unterlassen. Es sollte Ihnen jedoch auch bekannt sein, dass der Steuerverlust durch illegale Tabakprodukte gering ist, verglichen mit dem volkswirtschaftlichen Schaden durch die gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens schlichtweg.
Auf der Internetseite des BTWE wird im Hintergrundtext zum SCHWARZRAUCHEN der jährliche Steuerausfall in Deutschland durch illegal eingeführte Zigaretten mit rund 4,2 Milliarden EURO angegeben, bei 0,17 EURO/Zigarette. Dies ist jedoch nicht einmal einviertel von den 17,5 Milliarden EURO, die bereits 1993 bei konservativer Kalkulation für tabakkonsumbezogene Gesundheitsleistungen genannt werden. Rechnet man noch die indirekten Kosten (Produktionsverlust bei unbezahlter Arbeit) hinzu, kommt man sogar in Abhängigkeit von der Berechnungsmethode auf Werte zwischen 28,6 und 43,5 Milliarden EURO.*) Die Auswirkungen des Passivrauchens sind dabei noch vollkommen unberücksichtigt.
Vor diesem Hintergrund ist Ihre Allianz mit der Tabakbranche nicht nachvollziehbar, unverantwortlich und volkswirtschaftlich kontraproduktiv! Wir erwarten, dass sich eine vergleichbare Aktion nicht wiederholt und bitten um Ihre Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Jörn Reimann
- Sprecher Forum Rauchfrei -
Kopie: Pressestelle des Bundesfinanzministeriums
*)
Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle
Sonderband:
Gesundheit fördern – Tabakkonsum verringern:
Handlungsempfehlungen für eine wirksamen Tabakkontrollpolitik in
Deutschland,
2002, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg