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Sprecher(in) und Anschrift Johannes Spatz,
( (030) 6321-4703, Fax: -1220
Giselly Leinenbach, (
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05.02.06
Herrn
Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber
EKD-Ratsvorsitzender
Herrn
Dr. Karl Jüsten
Leiter des Berliner Kommissariats der deutschen Bischöfe
- Offener Brief -
Ehrengäste beim Verband der Zigarettenindustrie
Sehr geehrte Herren Dr. Huber und Dr. Jüsten,
wir haben mit großer Befremdung erfahren, dass Sie beide in einer Einladung des „Verbandes der Cigarettenindustrie“ (VdC) mit dem Thema „Freiräume“ als Ehrengäste für den 8. März dieses Jahres genannt werden.
Wir hoffen und gehen davon aus, dass Sie an der Veranstaltung nicht teilnehmen werden, da die Kirche für den Erhalt des Lebens eintritt. Dagegen ist die Tabakindustrie an dem Tod von über 140.000 Menschen verantwortlich beteiligt, die in Folge des Rauchens jährlich in der Bundesrepublik sterben.
Die Tabakindustrie versucht seit einigen Jahren in der Bundesrepublik salonfähig zu werden. Sie hat sich vorgenommen, wieder von der Anklagebank weg zu kommen. Sie ist bestrebt, ein gesellschaftlich anerkanntes Image aufzubauen und den „Kontrollverlust über die öffentliche Diskussion zum Thema Rauchen und Tabak“ einzudämmen (Worte von British American Tobacco Germany, BAT). Sie spricht in diesem Zusammenhang vom „Dritten Weg“ und meint damit, sie habe „in zäher Kleinarbeit ein Beziehungsgeflecht zu allen Teilen der Gesellschaft aufgebaut und das Marktklima hier zu Lande entspannt“ (Anzeige von BAT, Vorwärts 12/2000, S. 17). Dazu führt die Tabakindustrie Veranstaltungen wie diese durch, in denen sie Repräsentanten einzelner gesellschaftlicher Gruppierungen auf ihre Seite ziehen will. Für uns ist es unvorstellbar, dass Sie sich für diese Ziele hergeben könnten. Egal was Sie sagen werden, für die Tabakindustrie zählt allein Ihr Erscheinen als Ehrengast.
In diesem Zusammenhang können wir nicht verstehen, wie es zu der Anzeige von Brot für die Welt, einer Entwicklungshilfeorganisation der evangelischen Kirche, in der Tabakzeitung vom 3. Februar kommen konnte. Dort sieht die Kirche offenbar Gemeinsamkeiten mit der Tabakindustrie, wenn sie sagt: „Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Armut, Benachteiligung oder Behinderung an einem vollwertigen selbstverantwortlichen Leben gehindert werden.“ Dies klingt zynisch auf dem Hintergrund der Prognose der Weltgesundheitsorganisation, die für die nächsten Jahrzehnte 10 Millionen Todesopfer vorwiegend in der „Dritten Welt“ in Folge der Ausbreitung des Zigarettenmarktes voraussagt.
Wir bitten Sie, Ihre Beteiligung abzusagen wegen unüberwindbarer Gegensätze zwischen Kirche und Tabakindustrie bei der Wertevorstellung über das Leben. In der Hoffnung, dass Sie auf der Veranstaltung der Zigarettenindustrie nicht erscheinen werden, grüßen wir Sie freundlich
Giselly Leinenbach Johannes Spatz Wolfgang Nitze Dr. Jörn Reimann