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Sprecher(in) und Anschrift Johannes Spatz,
( (030)
7475-5922, Fax: -5925 Dr. Jörn Reimann, (
(030) 72 119 08 |
29.10.2008
Herrn
Prof. Dr. Dr. h. c. Gerd Heusch
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
Universitätsklinikum Essen
Zentrum Innere Medizin / Institut für Pathophysiologie
Hufelandstr. 55
45122 Essen
Offener Brief
Keine Toleranz für Gelder der Tabakindustrie
Sehr geehrter Herr Professor Heusch,
das Forum Rauchfrei setzt sich seit mehreren Jahren mit dem Einfluss der Tabakindustrie auf die Gesellschaft auseinander. Von dem Verband der Cigarettenindustrie wurde ja bekannt, dass er in den vergangenen Jahrzehnten Ärzte und Wissenschaftler bezahlt hatte, damit sie die Interessen dieser Industrie in der Öffentlichkeit vertreten. Auf Kongressen und Arbeitstreffen war häufig nicht bekannt, dass diese Wissenschaftler von der Industrie finanziert wurden.
Jetzt wissen wir von Philip Morris, dass auch noch nach 2000 ein großes Programm aufgelegt wurde, um die Glaubwürdigkeit dieser Industrie, die unter Prozessen und Veröffentlichungen besonders in den USA gelitten hatte, wieder zu stärken. Aus dem Zwischenbericht des „External Research Program“ vom Dezember 2004 geht hervor, dass 234 Projekte, darunter 15 in der Bundesrepublik Deutschland, von Philip Morris finanziert wurden.
In dem Zwischenbericht von Philip Morris kann nachgelesen werden, dass auch zwei Mitglieder des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie Projekte durch dieses Programm finanziert bekamen. Eines dieser Projekte wurde in dem Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) während der Jahre 2003 bis 2005 mit einer finanziellen Hilfe von Philip Morris in der Höhe von 937.000 EURO unterstützt. Aus einem von Philip Morris im Internet im Zuge der Prozessauflagen in den USA veröffentlichten „Memo“ aus dem Jahr 2000 wird über ein Gespräch zwischen einem Wissenschaftler von Philip Morris und dem Leiter der Kardiologie dieses Herzzentrums berichtet und am Rande die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) erwähnt. Inhalt des Gesprächs war eine zukünftige „gemeinsame Zusammenarbeit“. Laut Gesprächsnotiz von Philip Morris legte der Kardiologe des Herzzentrums Wert darauf, dass ein relativ hoch aufgehängter Ansatz verfolgt werden solle, „hinter dem dann auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie stehen könne“. Hier kann der Eindruck entstehen, dass das Forschungsvorhaben und damit auch die Kooperation später mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie abgesprochen wurde.
Ohne Ihrer Antwort vorgreifen zu wollen, gehen wir davon aus, dass die DGK nicht über die Finanzierung durch Philip Morris von Forschungsarbeiten zweier ihrer Vorstandsmitglieder Kenntnis hatte.
Inzwischen hat auch das Deutsche Herzzentrum Berlin die damalige Kooperation als Fehler eingestuft. Aus internen Papieren von Philipp Morris, die im Internet nachzulesen waren, wurde dem Herzzentrum klar, dass die Kooperation von Seiten Philip Morris der eigenen Imagepflege und nicht primär dem wissenschaftlichen Ergebnis galt. Deshalb will das DHZB in Zukunft keine Gelder mehr von der Tabakindustrie annehmen.
Unser Anliegen ist, möglichst viele Institutionen und Organisationen davon zu überzeugen, kein Geld von der Tabakindustrie entgegenzunehmen. Denn die Gelder der Tabakindustrie stammen von dem Verkauf von Produkten, die beim bestimmungsgemäßen Gebrauch zu Krankheit und Tod führen.
Daher bitten wir die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, den Kodex „Gegen Sponsoring durch Tabakindustrie“ des Forum Rauchfrei zu unterzeichnen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Palle Bentsen
Johannes Spatz
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
Anlagen:
Memo von Philip Morris
Rückantwort zum Kodex
Liste der bisher dem Kodex beigetretenen Organisationen