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Berlin, 08.02.06

Herrn

Franz Beckenbauer

FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006

Organisationskomitee Deutschland

Postfach 730191

 

D-60503 Frankfurt am Main

 

 

Offener Brief

 

 

Die FIFA hat keine Aussicht, einen Gesundheitspreis für die WM in Deutschland zu bekommen

 

 

Sehr geehrter Herr Beckenbauer,

 

vor 4 Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Weltfußballverband (FIFA) mit einem der höchsten Gesundheitspreise, dem Director-General's Award, ausgezeichnet. Die WHO hat dadurch gewürdigt, dass die Fußballweltmeisterschaft 2002 für „rauchfrei“ erklärt wurde.


Durch Kooperation zwischen der FIFA und der WHO war es möglich, während der Meisterschaft in Korea und Japan Tabakwerbung und den Verkauf von Tabakwaren zu verbieten. Zudem war das Rauchen in öffentlichen Bereichen verboten.


Die Fußball-WM 2006 in Deutschland ist unverständlicherweise immer noch nicht für rauchfrei erklärt worden – noch ist Tabakwerbung überall erlaubt und ein Rauchverbot für öffentliche Bereiche wurde nicht ausgesprochen. Es wäre sehr vorbildlich, wenn die Organisatoren in Deutschland Mut und Verantwortung zeigen würden und sich zu diesem Schritt entschließen könnten. Der Wille zur Aufklärung über die Gefahren des Rauchens und des Passivrauchens gehört zum modernen Gesundheitsbewußtsein und sollte von aufgeklärten verantwortungsvollen Sportverbänden propagiert werden.

 

Am 31. Mai 2006 wird der Weltnichtrauchertag (internationales Motto: Tobacco: deadly in any form or disguise) von der WHO zum Anlass genommen, die Problematik in diesem Bereich – mit allen Zahlen über Kranke und Toten – noch bekannter zu machen. Das WM-Organisationskomitee könnte gemeinsam mit der WHO im Sinne eines Bekenntnisses zur Gesundheitsförderung diesen Tag feiern und die Weltmeisterschaft schon davor zu einem nikotinfreien Event erklären.

 

Verantwortungsvolle Politiker wie Gerlinde Kaupa (CSU), Karl-Heinz Florenz (CDU), Klaus Kirschner (SPD) haben sich für den Erlass eines Rauch- und Alkoholverbots für den gesamten Stadionbereich ausgesprochen. Die Wirkung eines solchen Verbots ginge allerdings viel weiter als nur bei den direkt von einem Rauch- und Alkoholverbot betroffenen 3,4 Millionen Besuchern, die während der kommenden Meisterschaft die 64 Spiele in den zwölf deutschen WM-Stadien live verfolgen werden. Der Vorbildcharakter würde vielmehr Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt, darunter viele Kinder und Jugendliche, erreichen und sicherlich positiv beeinflussen.

 

Auch Herr Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, hat bereits vehement gefordert: „Wie 2002 in Korea und Japan muss auch die Fußball-WM in Deutschland rauchfrei sein. Im Rahmen dieses Sportereignisses darf weder Tabakwerbung noch der Verkauf von Tabakwaren oder Rauchen in öffentlichen Bereichen stattfinden.“ Diese verantwortungsvolle Mahnung wurde allerdings Ihrerseits bis jetzt nur ignoriert. Bis jetzt hat Herr Gerd Graus, Sprecher des WM-Organisationskomitees lediglich angekündigt: „Ein generelles Rauchverbot in den WM-Stadien soll es nicht geben. Mit vielen Aktionen wollen wir aber an die Fans appellieren, Rücksicht auf ihre Sitznachbarn zu nehmen und nicht zu rauchen.“

 

Diese unschlüssigen Appelle sind allen Kennern der Materie viel zu unentschlossen, als dass sie eine positive Wirkung erreichen könnten. Diese Vorgehensweise würde noch dazu einen großen Rückschritt zu der erreichten Leistung in Südkorea und Japan darstellen.

 

Wir wollen über diesen Brief die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Sabine Bätzing, in ihren Bemühungen unterstützen und mit Nachdruck fordern, dass die Lobbyarbeit der Drogenindustrie zurückgedrängt wird und dass an die Gesundheit der Menschen gedacht wird: Sprechen Sie ein Rauchverbot bzw. ein Drogenverbot für die WM-Stadien und ihre Umgebung aus.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Maria Giselly de Albuquerque Leinenbach