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Berlin, 22.09.08

Forderung des Forum Rauchfrei zum Sommerfest des Vorwärts:
Keine Tabakwerbung im Vorwärts!
 

In der September-Ausgabe des Vorwärts wirbt der Zigarettenkonzern Reemtsma mit einer ganzseitigen Anzeige. Es geht dabei nicht um die Werbung für eine bestimmte Zigaretten­marke, sondern um das Ansehen des Konzerns. Mit dem Slogan „Talent muss man beweisen dürfen“ macht er auf seine Unterstützung eines Begabtenförderungswerks aufmerksam. Auch in der Juni-Ausgabe wurde mit dem Slogan „Verantwortung wird bei Reemtsma großge­schrieben“ eine Anzeige geschaltet. Dort behauptet Reemtsma: „Als Hersteller von Tabak­produkten sind wir uns unserer Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft bewusst.“ Der Kon­zern hat ein großes Interesse, sich bei den Lesern des Vorwärts als gesellschaftlicher Wohltä­ter darzustellen.

Gut dastehen will auch British American Tobacco (BAT). Das lassen sich die Tabakkonzerne etwas kosten. Davon profitiert der Vorwärts: Alleine in diesem Jahr hat er für sechs Anzeigen von den Zigarettenproduzenten Reemtsma und BAT über 81.000 Euro eingenommen.

Neben der skandalösen Aufwertung der Tabakindustrie handelt es sich bei den Anzeigen auch um ein handfestes rechtliches Problem. Die Tabakindustrie und der Vorwärts verstoßen mit diesen Anzeigen gegen das Vorläufige Tabakgesetz, das seit Dezember 2006 direkte und indi­rekte Tabakwerbung in Printmedien verbietet. Das Landgericht Hamburg, das festgestellt hat, dass Reemtsma „positive Imagewerbung“ im Vorwärts betrieben hat, hat diese Werbung für zulässig gehalten. Gegen diese nicht rechtskräftige Entscheidung wurde von dem Bundesverband der Verbraucherzentralen Berufung eingelegt. Auch die EU-Kommission hält imagestärkende Werbung ausdrücklich für verboten. In ihrem Bericht vom Mai 2008 bezeichnet sie die Art von Öffentlichkeitsarbeit, die den Tabakhersteller als „verantwortungsbewussten“ Marktbeteiligten darstellt, als „ein Mittel zur Vermarktung von Image und Produkten des Unternehmens“.

Es ist zu vermuten, dass wie im vergangenen Jahr auch in diesem Jahr Reemtsma wieder als Sponsor des Sommerfestes auftritt.

Während die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) Tabakwerbung im Vorwärts kritisiert sowie ein generelles Tabakwerbeverbot fordert, fällt die Tabakwerbung im Vorwärts auf die Sozialdemokratische Partei zurück. Nach dem Motto „Wes Brot ich esse, des Lied ich sing“ stellt sich die Frage, ob die Tabakkonzerne mit den Werbehonoraren erfolgreich Politik machen. Johannes Spatz, Sprecher des Forum Rauchfrei, fordert die Mitglieder der Sozialde­mokratischen Partei Deutschland auf, sich gegen die Anzeigen der Tabakfirmen im Vorwärts und für eine konsequente Nichtraucherschutzpolitik ohne Wenn und Aber einzusetzen.