
Drucksache 16/2730
Klar ist bisher nur, dass der von mehreren SPD-Abgeordneten initiierte Gruppenantrag in spätestens drei Wochen auf der Tagesordnung des Bundestags stehen wird. Denn der Antrag wurde inzwischen in das Parlament eingebracht und trägt daher auch eine Drucksachennummer (16/2730). Das sogenannte Aufsetzungsrecht fordert eine Behandlung im Bundestag in erster Lesung innerhalb der genannten Frist von drei Wochen. Den Antrag haben die Hälfte alle Mitglieder der SPD-Fraktion unterzeichnet, aber nur vier der 226 Unions-Abgeordneten. Auch viele Abgeordnete der Linkspartei zählen zu den Unterzeichnern. Insgesamt hat der Gruppenantrag mehr als 140 Unterstützer.
In ihm wird die Bundesregierung aufgefordert, noch 2006 ein Gesetz zu erlassen, das alle Arbeitnehmer an allen Arbeitsplätzen - auch in der Gastronomie - "ausnahmslos vor Passivrauchen" schützt. Außerdem solle jeder Bürger in allen öffentlichen Gebäuden, öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen und Universitäten "vor den Schadstoffen des Tabakrauchs durchgängig geschützt" werden. Die Grünen haben einen ähnlichen Antrag eingebracht, die FDP lehnt Verbote ab.
Der Gruppenantrag hat aber nach derzeitigem Stand keine Chancen für eine Mehrheit im Bundestag. So wird in der Union intensiv versucht, ein generelles Rauchverbot in Gaststätten zu verhindern. Bestes Beispiel dafür war in den vergangenen Tagen die Lancierung der (falschen) Nachricht, die Koalition habe sich bereits auf das Modell des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC) geeinigt: Danach müssten Kneipen und Restaurants mit einer Fläche von mehr als 75 Quadratmetern "rauchfreie Zonen" einrichten. Nach Recherchen von Verbots-Anhängern fiele unter dieser Regelung aber nicht einmal die Hälfte aller Gastronomieeinrichtungen.
Aber auch die Befürworter eines umfassenden Rauchverbots in der Union sehen den Gruppenantrag mit Skepsis. Sie stoßen sich daran, dass der Antrag ungeachtet der Einigungsversuche in der großen Koalition in den Bundestag eingebracht wurde. "Das erschwert die Kompromisssuche", hieß es in der Union. In der SPD geht man jedoch vom Gegenteil aus: Der Antrag erhöhe den Druck, zu einem weitreichenden Kompromiss zu kommen. Denn sollte es keine zufrieden stellenden Einigung geben, würden am Ende doch viele Unions-Abgeordnete dem Gruppenantrag zustimmen, ist man in der SPD-Fraktion überzeugt. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und Mitinitiatorin Carola Reimann bekräftigte daher gestern, dass an dem Antrag festgehalten werde.