DER DRITTE WEG
Die Tabakkonzerne suchen „zwischen den harten Fronten einen
dritten Weg“. Sie meinen damit ein Klima der Zusammenarbeit: „Natürlich lebt
auch die deutsche Industrie nicht in einem Raum frei von Reglementierungen,
Anfeindungen und Drohungen, aber in zäher Kleinarbeit hat sie ein Beziehungsgeflecht
zu allen Teilen der Gesellschaft aufgebaut und das Marktklima hier zu Lande
entspannt.“ (Werbeanzeige von British American Tobacco
im „Vorwärts“.)
Wie die „zähe Kleinarbeit“ aussieht,
zeigen folgende Beispiele. Es stehen immer wieder Politiker bereit, um zusammen
mit der Tabakindustrie den „dritten Weg“ zu gehen. Daher müssen wir uns nicht
wundern, warum die Politik in der Bundesrepublik den Tabakkonzernen freie Hand
lässt.
Beispiel Schirmherren
Das "Pall
Mall Initiative Job-Training" wird von
Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Kultusminister des
Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Matthias Rößler,
Sächsischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, und Dr. Kajo Schommer, Sächsischer
Staatsminister a.D., als Schirmherren begleitet
(zuletzt 2004).
„Die Pall Mall Foundation
sieht eine ihrer Hauptaufgaben in der Förderung der beruflichen Bildung und
weltoffenen Einstellung junger Menschen. Der Journalistenpreis der Pall Mall Foundation soll Medien
und Öffentlichkeit motivieren, diese Ziele zu unterstützen. Für beide Projekte
konnte die Pall Mall Foundation
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens als Schirmherren gewinnen.“ Bereits
1992 hat Eberhard Diepgen, damaliger
Regierender Bürgermeister von Berlin, den ersten Journalistenpreis
vergeben.
Beispiel Sponsoring
Folgende Politiker waren an der Übergabe von
Sponsoringgeldern u. a. des Tabakkonzerns Philip Morris beteiligt (eine
Auswahl):
Ø Thierse, Bundestagspräsident, Kulturforum der SPD
Ø Schmidt, Bundesgesundheitsministerin, 11,8 Millionen Euro für Präventionsprogramme
Ø Goppel, Wirtschaftsminister in Bayern, Forschungspreis (100.000 Euro)
Ø Böger, Bildungssenator in Berlin, Internet-Unterstützung
Beispiel
Feste
Dr. Brückner, Hauptgeschäftsführer a.D des Verbandes der Cigarettenindustrie, hatte am 31.
März 2004 zum Frühlingsfest vor dem Tipizelt am
Kanzleramt eingeladen. Seine Gäste wurden von dem Forum Rauchfrei passend in
Empfang genommen. Als Gäste kamen u.a. Caspers-Merk, Bundesdrogenbeauftragte und
Meyer, Generalsekretär der CDU.
Zum Medientreff Reemtsma (2001) kamen u.a.
Merkel, CDU-Vorsitzende, von Beust, Bürgermeister von Hamburg, Schlauch, Bündnis 90 /
Die Grünen, Gerhard, FDP, Müntefering, SPD. Medientreff Reemtsma 2003: Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, Glos, CSU, Merz, CDU, Westerwelle, FDP.
Sommerfest 2004 der SPD: unter den
Sponsoren befindet sich der Verband der Cigarettenindustrie (siehe Vorwärts 07
– 08 / 04)
Beispiel Anzeigen
In dem SPD-Journal „Berliner Republik“ werden von der
Tabakindustrie 40 Prozent der freien Anzeigen geschaltet. In der
Mitgliederzeitung „Vorwärts“ der SPD werden pro Monatsausgabe durchschnittlich
jeweils Anzeigen im Umfang einer halben Seite von der Tabakindustrie finanziert.
Beispiel „Dialogveranstaltung“

British American Tobacco
beklagt den „Kontrollverlust über die öffentliche Diskussion zum Thema Rauchen
und Tabak“ und will etwas gegen die Folgen „Isolation und gestörte
Kommunikation mit der Gesellschaft“ unternehmen. Das Forum Rauchfrei protestierte
am 30. März 2004 vor der Landesvertretung Hamburg gegen das dort veranstaltete Treffen.
Es kamen neben Brückner, Verband der Cigarettenindustrie, Sommer, ehemals
Herausgeber der „Zeit“ und Bode, Foodwatch u.a..